05 Dec, 2019
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In der Sendung "Der Philosophische Stammtisch: Ist die Zukunft konservativ?" des Schweizer Fernsehens SRF, vom 10. Feb. 2019 fand eine sehr gute Diskussionsrunde über die Einordnung was ist Konservativ und was ist Links oder Progressiv statt.

Solidarität und Zusammenhalt = christliche Werte? (39:37 min)

Soziologe Harald Welzer hebt hervor dass "Werte existieren nie wenn die gesellschaftliche Praxis das Gegenteil selber produziert.", "Solidarität und Zusammenhalt, dies kann ich nur haben wenn Menschen die konkrete Erfahrung machen können, in einer Schule wenn die Schüllerinnen und Schüler sich solidarisch verhalten. Es muss etwas gelebtes, etwas erfahrenes sein, ein solcher Wert."

Ulrich Greiner [Autor von "Heimatlos. Bekenntnisse eines Konservativen" Rowohlt Verlag 2017]: "Bestimmte kulturelle Prägungen, bestimmte Verhaltensweisen, bestimmte Erwartungen kommen aus dem christlichen Abendland."

Hmmm. Ist das so? Ich sehe das etwas anders, denn warum haben China, Japan, auch das alte Ägypten einen Ruf als Hochformen von Kulturen. Wie konnten griechische Philosophen uns so sehr prägen, wenn sie doch garnichts mit dem "christlischen Abendland" zu tun haben. Findet da nicht eine Überbewertung der christlichen Kultur statt? Ich höre bei Debatten über dieses Thema immer heraus dass sozialer Zusammenhalt ausschliesslich auf christlichen Werten basieren soll. Aber ist nicht das in westlichen Ländern weit verbreitete liberal-ökonomische Prinzip des "Ellenbogenprinzips" nicht genau das Gegenteil? Also unterliegen diejenigen, die mehr sozialen Zusammenhalt in der Vergangenheit sehen und ihn sich zurückwünschen nicht einem Irrglauben? Hat das ganze überhaupt etwas mit Religion oder westlichen Werten zu tun?

Eine sehr gute Aussage dazu machte die Kulturjournalistin Catherine Newmark an Herrn Greiner gerichtet:

"Ich möchte gerne noch mal auf diese emotionale Getöntheit, diese Sorge, wie sie sie nennen eingehen. ... Mir schiene die Analyse: Wir haben ein Problem mit gelebter Solidarität, oder Gemeinsinn, weil wir ihn nicht mehr einüben. ... Dann schiene mit das eine viel grössere Bedrohung für die Werte die uns wichtig sind, als etwas was wir mit Angst, Ekel, Sorge und Furcht und Zorn fassen können unter Überfremdung, Islamisierung und solche Begriffe."

Wow! JA. Dem kann ich mich nur anschliessen.

© Aussschnitt/Zitat aus der verlinkten Sendung des Schweizer Fernsehen SRF

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